Die SchülerVZ-Datensammlung und ihre traurigen Folgen

Mitte Oktober wurde in Berlin ein 20-Jähriger Mann von der Polizei festgenommen, der mittels eines selbstgeschriebenen Crawlers eine sehr große Menge im SchülerVZ öffentlich verfügbarer Mitgliederdatensätze gesammelt und dem VZ-Betreiber zum "Rückkauf" angeboten haben soll. Offenbar war er in das Firmengebäude der Firma VZnet-Netzwerke gekommen, um über die Sache zu verhandeln. Dort erfolgte der Zugriff der Polizei, nachdem er durch die Firma angezeigt worden war. Einige Tage später nahm sich der junge Mann, gegen den von der Staatsanwaltschaft wegen versuchter Erpressung ermittelt wurde, in seiner Zelle der Jugendstrafanstalt Plötzensee das Leben.

Am vergangenen Dienstag veröffentlichte sein Anwalt Ulrich Dost eine Presseerklärung über Hinweise darauf, dass es sich möglicherweise nicht um eine versuchte Erpressung handelte, da die Verhandlungspartner des VZ-Betreibers seinem Mandanten von sich aus "ein unbeziffertes Zahlungsangebot" gemacht haben sollen, um eine Veröffentlichung der gesammelten Daten zu verhindern. Nach einem Bericht des Heise-Verlags verdichten sich nun die Hinweise auf diese Version des Vorgangs. Heise bezieht sich dabei auf einen Artikel des Spiegels, der offenbar Chat-Protokolle vorliegen hat, die Dialoge des VZ-Technikteams  mit dem Tatverdächtigen dokumentieren, welche in den Tagen vor dem Besuch im Firmengebäude stattfanden.